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OLnet Fellows' Blogs

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Monatsnotiz August

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Tue, 03/09/2019 - 10:18

Diesmal habe ich schon etwas vorgearbeitet und meine unmittelbaren Erlebnisse vom Digital Pedagogy Lab 2019 an der University of Mary Washington in zwei Blogposts dokumentiert (englisch und deutsch). Auch nach weiteren zwei Wochen bin ich noch beeindruckt vom DPL und bestärkt, weiter an Critical Digital Pedagogy zu arbeiten. Das beginnt mit der (ernüchternden) Erkenntnis, dass es in Deutschland keine vergleichbare Community wie im anglo-amerikanischen Raum gibt. Schaut man sich die Prämissen an, wird es nachvollziehbarer:

  1. Tradition Kritischer Pädagogik: Ausgehend von Paulo Freire und Ivan Illich hat sich die Kritische Pädagogik weiterentwickelt und beschäftigt sich zum Beispiel wie Henry Giroux intensiv mit dem Neoliberalismus und dessen Auswirkungen auf das Bildungssystem. Auch die zunehmende Datafizierung in der Bildung wird kritisch betrachtet, allerdings (noch) als Spezialdiskurs, etwas bei der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.
  2. Digitale Praxis: Die „natürliche“ Verwendung digitaler Werkzeuge in unterschiedlichen Kontexten und das gerade nicht zum Konsum von Nachrichten oder zum Posten auf Social-Media-Plattformen. Hier sehen wir wieder einmal den Mythos „Digital Natives“: Es gibt nur eine sehr kleine Anzahl von Menschen (unterschiedlicher Altersgruppen), die mit digitalen Technologien und Medien souverän umgehen. Sie bauen Netzwerke auf und diskutieren sachlich, ausgewogen, kontrovers Bildungsthemen. In Deutschland fällt mir dazu das #Twitterlehrerzimmer“ ein, beim Hochschulbereich wird es dünn.

Während es für (1) und (2) durchaus Communities gibt, tummeln sich an der Schnittmenge nur wenige Menschen. Wer hier noch jemanden kennt, bitte bei mir melden :=)

Nach dem DPL ging es wieder zurück nach Hagen an die FernUniversität, wo Lehrstuhlaufgaben auf mich warteten. Ein (dauerhafter) Schwerpunkt ist das Vorbereiten und Schreiben von Anträgen. Bei einem Brainstorming-Workshop arbeitete ich mit einem Konsortium an der Ausrichtung eines möglichen Antrags. Hier war die Präsenz sehr hilfreich, während für die Nach- und Weiterarbeit digitale Tools hilfreich sind.

Für die niederländische Forschungsorganisation NRO durfte ich als Gutachter bei einem Call for Projekt Leaders dabei sein. Ähnlich wie beim BMBF war es auch hier zweistufig: Zunächst wurde eine Anzahl an Proposals zugewiesen, für die ich ein Vorab-Voting abgeben musste. Danach trafen wir uns in Utrecht, um darüber zu diskutieren und eine Auswahl an zur Förderung empfohlenen Anträgen auszuwählen. Das Verfahren war entspannter als in Deutschland was den Umfang an Einreichungen anbelangt. Die Diskussion war dagegen sehr ähnlich und fachlich-kritisch ausgerichtet. Angenehm empfand ich die geteilte Wertebasis mit den niederländischen Kolleg*innen, etwa bei Themen wie Datenschutz, Ownership oder offene Lizenzen. Interessant für mich war die innovative Ausrichtung des Calls. Es ging um Anträge, mit denen breitere Themen „in Auftrag“ gegeben werden sollten. Denn es waren nicht die typischen Anträge für 3-5-Jahre-Projekte, durchgeführt von den üblichen Verdächtigen. Sondern es sollten zunächst Project Leaders auserkoren werden, die dann im nächsten Schritt ein Konsortium mit einem weiteren Call ausschreiben. Dazu soll es auch einen sog. Match-Making-Day geben, was eine gewisse Offenheit für Interessierte bedeutet. Zuvor wird es Interviews mit den von uns ausgewählten Kandidat*innen geben. Danach kommt es zur Ausschreibung eines Calls, auf Basis der Ideen, die zuvor eingereicht wurden. (Ich hoffe, das war nun einigermaßen verständlich).

Im August habe ich schließlich mit einem neuen Buchprojekt begonnen und mir eine ehrgeizige Deadline gesetzt. Darüber schreibe ich dann mehr in den nächsten Monaten.

Theorie und Praxis digitaler Didaktik

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Tue, 20/08/2019 - 16:02

Der Beitrag von Herrn Larbig „Was Tweets und Postings auf Facebook mit Strukturen der Bildung zu tun haben. Ein Versuch“ ist eine Analyse der Debattenkultur über „digitale Bildung“ der letzten 10-15 Jahre. Ausgangspunkt ist die Verschiebung von Kommunikation von Web 2.0 Instrumenten wie Blogs zu Plattformen wie Facebook und Twittern mit den dadurch verbundenen medientechnischen Implikationen. Was McLuhan vor vielen Jahrzehnten feststellte, gilt auch heute noch: „The Medium is the Message“.

Es sind aber nicht nur die Trolle und Hater, die auf Social-Media-Plattformen für eine Verrohung der Sitten sorgen, sondern eine generelle Oberflächlichkeit der Diskussionen. Am Beispiel des „Twitterlehrerzimmer“ versucht Herr Larbig dies zu verdeutlichen, da dort eher instrumentelle Fragen („Wie nutze ich Tool XY am Besten im Unterricht?“) gestellt werden und es weniger zu grundlegenden didaktischen Debatten kommt, die sich um das Große und Ganze der Digitalisierung drehen. [In diesem Zusammenhang wichtig sind die Hintergründe und die kurze Geschichte des „Twitterlehrerzimmer“, die Philippe Wampfler hier und hier sehr gut aufarbeitet.]

Fragen zur Didaktik würden so die Vermutung von Herrn Larbig oft als persönlichen Angriff (miß-)verstanden, der die Person in Erklärungsnöte bringt. So wie ich es verstehe, geht es dabei auch um grundlegende pädagogische Werte und Haltungen der Pädagog*innen. Hier scheint es eine Lücke zu geben, die von der Bildungswissenschaft nur zögerlich erkannt wird. Es fehlen bildungsphilosophisch und -theoretisch unterfütterte Angebote zur Orientierung für Lehrkräfte im Hinblick auf die großen Fragen. Diese betreffen nicht nur die Digitalisierung und dessen theoretischen Unterbau, sondern auch gesellschaftspolitische Aspekte wie Inklusion/Ausgrenzung. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, der aber durch bestimmte Strukturen erschwert wird. (Das kann ich aus Sicht der Hochschullehre und am Beispiel der FernUniversität in Hagen nachvollziehen). Dagegen verspricht das Stellen einer Frage bei Facebook oder Twitter (#Lehrerzimmer) zumindest kurzfristigen, pragmatischen Erfolg. Damit bleibt aber die grundlegende Perspektive – Warum machen wir das? Wie soll die Bildung in 10, 15, 30, 50 Jahren aussehen? – wieder ausgeblendet…

Es ist eine merkwürdige Gemengelage, auf der einen Seite die „alten“ Strukturen von Bildungseinrichtungen und auf der anderen Seite Reformen, Maßnahmen und Initiativen zur Ausgestaltung der digitalen Transformation (ein Beispiel aus der Hochschullandschaft ist das Hochschulforum Digitalisierung).

Zwei Punkte möchte ich hier noch hinzufügen:

Es gibt einen begründeten pädagogischen Konservatismus, der sich insbesondere in der Beharrlichkeit der Verwendung von Lehrbüchern und Vorlesungen ausdrückt. Norm Friesen hat das sehr schön in seinem Buch „The Textbook and the Lecture“ herausgearbeitet. Er wirft die kontra-intuitive Frage auf: Warum bleibt so vieles in der Pädagogik unverändert/unveränderbar? Mit einer medienphilosophischen Perspektive zeigt er, wie sehr Pädagogik mit den grundlegenden Technologien Text und Schreiben verbunden ist. Hier liegen auch Begründungsmuster für die Zwecke von Pädagogik vergraben. Das heißt wenn wir mehr Klärungsarbeit investieren, was Pädagogik ist und leisten kann, lassen sich solche von Friesen aufgedeckten Zusammenhänge besser einordnen und es lässt sich gelassener und argumentativ gestärkter in den diskursiven Dschungel der Digitalisierung begeben.

Was ich kürzlich beim Digital Pedagogy Lab in den USA an Diskussionskultur erlebt habe (siehe hier meinen Bericht), hat mich angespornt, diesen kritischen Geist nach Deutschland zu übertragen. Stark inspiriert von der Kritischen Pädagogik werden Konversationen geführt, die konstitutiv mit den großen Fragen unserer Zeit verbunden sind.

Ganz in diesem Sinn darum auch meine Bitte um Kommentare, Feedback, Fragen usw. Seht ihr das ähnlich? Wie lässt sich ein grundlegender Diskurs vor dem Hintergrund der komplexen, widersprüchlichen Bedingungen unserer Zeit organisieren und führen? Welche Fragen sollten verhandelt werden? usw.

Digital Pedagogy Lab (english version)

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Mon, 12/08/2019 - 23:49

In addition to my German blog post, here is my account for the Digital Pedagogy Lab (DPL) 2019 at the University of Mary Washington in Fredericksburg.

As an educational scientist with a deep interest in Open Education (see here for example my piece on a historical reconstruction of Open Ed), I have thought about attending DPL for a couple of years. Recently I have been to the OER-conferences in London and Galway and I enjoyed the spirit and the culture of this community. So I was very excited about my premiere visit at DPL. From what I knew about DPL on Twitter, this is an event with a specific perspective linked to critical digital pedagogy. This is in contrast to the German communities where we have separate groups discussing either pedagogy and philosophy or digital transformation of pedagogy.

Prior to my attendance I decided to join the class on Pedagogy, Change and Agency offered by Naomi de la Tour from the University of Warwick. It soon became clear that the class was all about Critical Pedagogy in Action. So Naomi deliberatively tinkered with her role as a (formal) instructor and tried to give us space to share thoughts and ideas. Yet, on the other side there should be some sort of agenda or plan for the week, shouldn’t it? I felt an inner struggle between my latent expectations which centered more around the notion of digital and its impact of pedagogy. In this regard, Naomi’s ongoing questions „What kind of permission do you need for this?“ was very help- and powerful. So for me, I gave myself the permission to let it go with the flow in the class.

I soon got a sense of belongingness to the group which consisted mostly of US-based teachers. The poor working conditions in the US became also apparent for me in the wonderful keynote from Robin de Rosa. Her insightful perspective and in-depth analysis led to powerful recommendations for the audience. In Germany there are similar debates but the degree of neoliberal thinking is much more proliferated in North America. The critical feedback from one person after the keynote was also an indicator that the DPL-community is aware of the pitfalls of being too self-satisfied and enthusiastic. It is a constant struggle which pertains also to the entire DPL organization with its move to Denver.

Throughout the week in class, we maintained a discursive approach to pedagogy with intense discussion on the value and the potential negative side effects of being too open. There were many great references, examples and anecdotes so at one point we decided to set up a Google Doc as a manifestation of our thoughts. It is called The Anti-Manifesto Manifesto of Critical Education and it is open for everybody to learn from and to contribute to.

There is definitely much more to write about DPL 2019 but I wanted to bring out my impressions after a long, inspiring and rewarding week.

Digital Pedagogy Lab 2019

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Mon, 12/08/2019 - 14:23

Direkt im Anschluss an die wieder einmal tolle HFD-Summerschool ging es für mich in die USA um dort am Digital Pedagogy Lab 2019 an der University of Mary Washington in Fredericksburg teilzunehmen. Diese beiden Veranstaltungen sind durchaus vergleichbar, ohne hier eine Rangordnung zu implizieren. Es ist für mich ein Indikator für den Bedarf solcher Formate.

Aber was genau ist das Digital Pedagogy Lab (DPL)? Ich kenne es über Twitter durch Sean Michael Morris und Jesse Stommel, die beide für eine Richtung kritischer Pädagogik stehen. Sie nennen das Critical Digital Pedagogy, wofür es – soweit ich es sehe – in Deutschland kein Äquivalent gibt. Parallelen gibt es zur Reform- bzw. Befreiungspädagogik mit Paulo Freire als einem Hauptvertreter. Es ist ein herrschafts- und gesellschaftskritischer Ansatz und versucht Machtstrukturen aufzudecken, um so Veränderungen zu ermöglichen. Weitere wichtige Autoren sind Ivan Illich mit seinem Werk „Deschooling Society“ oder aus dem Bereich der Fernlehre Charles Wedemeyer mit „Learning at the Back Door“. Sie sind aus den reformbewegten 1960er und 1970er Jahren und bieten bildungsphilosophische Grundlagen, auch ganz ohne die heutigen digitalen Mittel. Wie wichtig solche prinzipiellen pädagogischen Überlegungen sind, zeigt das DPL. Denn entgegen dem Präfix digital geht es nicht um die bestmögliche Digitalisierung von Lernen und Lehren, sondern um kritische Reflexionen über die Auswirkungen der digitalen Transformation.

Etwa 200 Menschen trafen sich für eine Woche intensiven Austauschs (es gab für das Wochenende zuvor noch ein Camps, an dem ich nicht teilgenommen habe). Vorab konnte man sich für einen bestimmten Track entscheiden. Ich wählte Pedagogy, Change and Agency und wurde von Naomi de la Tour von der University of Warwick angeboten. Ich schreibe bewusst „angeboten“ anstelle von „durchgeführt“, da von Beginn an deutlich wurde, dass es um „Critical Pedagogy in Action“ ging. In unserer Gruppe war so viel Expertise vereint, dass es für Naomi wenig Sinn machte, hier einen Wissens- oder Kompetenzvorsprung zu konstruieren. Vielmehr ging es um Dialog und das gemeinsame Lernen und sich inspirieren. Das muß doch aber auch irgendwie organisiert werden, oder?

Eine solche Aktivität war, dass wir überlegen sollten, was für uns der Zweck von Pädagogik ist. Für mich war es:

1) Education is located in-between a triangle of history, culture and context. There is no outside of this triangle.

2) Education is part of human beings.

3) Education is a way of accompanying humans on their journey throughout life. Education is both visible (formal) and invisible (informal, non-formal). Education is focused on the purpose of learning. To help the we can fulfill our purpose of constant, life long learners.

Ähnlich waren auch die Ausführungen meiner Peers. Deutlich wurden für mich bestimmte Werte und eine Haltung, die das pädagogische Handeln leitet und rahmt. Hier hatten wir schnell Einigkeit und auch darüber, dass sich das gegenwärtige Bildungssystem, insbesondere in den USA, aber auch in UK und Kontinentaleuropa davon entfernt hat. Das zeigte die Keynote von Robin DeRosa deutlich auf, die sich mit den verschiedenen Public-Private-Partnerships im Hochschulbereich auseinandersetzte. Kurz gesagt geht es um die Aushöhlung pädagogischer Ideale durch strikt marktwirtschaftliche Überlegungen, die auf die Maximierung des Profits ausgerichtet sind. Es geht um viel Geld, so wie etwa bei der Kooperation der Arizona State University und dem Rise Fund TPG. Auf der anderen Seite ist die Situation der akademischen Mitarbeiter*innen seit Jahren sehr prekär. Die Arbeitsbedingungen sind durch Wettbewerb und ständige Unsicherheit geprägt. Das was viele Lehrende wollen, nämlich gute Lehre wird dadurch erschwert bis verunmöglicht. Darum war es auch für viele US-Kolleg*innen so wichtig und wertvoll, mit Gleichgesinnten beim DPL über die Situation zu sprechen.

Sean Michael Morris verdeutlichte die Besonderheit des DPL während einer Morning Intention (das ist ein 30 minütiges Format zum Einstimmen auf den Tag, der von Sean anmoderiert wurde und dann von einer teilnehmenden Person frei gestaltet wurde): Willing suspension of disbelief. Wie in einem Theaterstück oder einem Film lassen sich Menschen auf die fiktionale Erzählung einer gerechten, demokratischen und anti-rassistischen Pädagogik ein.

Doch zurück zu meinem Kurs „Pedagogy, Change und Agency“. Nach der Diskussion über die Werte ging es um unsere Intentionen. Hier tauchten dann Begriffe und Konzepte wie Community und Learning Environment auf. Allerdings nicht im Verständnis des direktiven und reduktionistischen Instructional Design, sondern als offener Prozess im Sinne des Beautiful Risk of Education von Gert Biesta. Wie sich die Werte (siehe oben) und Ideale einer solchen Pädagogik umsetzen lassen, haben wir intensiv während der Woche diskutiert. Es ist eine Binsenweisheit zu sagen, es gibt keinen Masterplan, aber genau so ist es. Ich denke auch weiter darüber nach, wie sich in meinem Arbeitsbereich Pädagogik offener, partizipativer, demokratischer und diverser gestalten lässt.

Für alle, die auch daran arbeiten, haben wir ein Work-in-Progress-Dokument The Anti-Manifesto Manifesto of Critical Education erstellt. Das ist ein Versuch, die vielfältigen Diskussionen während des DPL in einem digital-fluiden Format festzuhalten. Es ist auch eine Einladung zum Mit-Denken und Mit-Machen.

Montatsnotiz Juli

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Tue, 06/08/2019 - 13:55

Ich bin dieses Mal etwas später dran mit dem monatlichen Rückblick, es ist bereits der 5. August. Das liegt wohl daran, dass ich wieder einmal quer durch Deutschland und der westlichen Welt gereist bin. Zum Zeitpunkt des Schreibens bin ich in Fredericksburg, VA beim Digital Pedagogy Lab an der University of Mary Washington (dazu mehr im August-Rückblick).

Gutachter-Tätigkeit

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit im Juli war als Gutachter für die Ausschreibung des BMBF zu Digitalisierung II. Genauer gesagt geht es dabei um die Erforschung der Gestaltung von Bildungsprozessen unter den Bedingungen des digitalen Wandels (das klingt schön wissenschaftlich oder?). Beauftragt wurde ich vom deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), die für die gesamte administrative Begleitung der BMBF-Förderung zuständig sind. Ich habe mich über die Anfrage gefreut, auch wissend, dass es aufwändig wird. Zunächst bekam jede*r Gutachter*in eine Reihe von Skizzen zugeteilt, für die ein vorab Votum zu erstellen war. Anfang Juli fand dann eine zweitätige Sitzung in Bonn statt, bei der die Mehrheit der Gutachter*innen dabei war. Im Plenum wurden die Skizzen anhand des Votums besprochen und zum Teil auch kontrovers diskutiert. Da bei der Ausschreibung die Bildungspraxis eine wichtige Rolle spielt, waren pro Skizze auch jeweils ein*e Vertreter*in der Praxis dabei (zwei waren aus der Wissenschaft, was wohl zeigen sollte, dass die wissenschaftliche Expertise ein stärkeres Gewicht hat). Insgesamt war das Vorgehen sehr sachlich, kollegial und konsensual. Am Ende des zweiten Tages stand eine Liste an förderungsfähigen Projekten, die nun aufgeforderter werden, einen Voll-Antrag zu schreiben.

Ein ähnliches Verfahren bearbeite ich zur Zeit auch noch für die niederländische Forschungsorganisation. Die Gutachtersitzung wird Ende August stattfinden.

Bewerbungsphase

Aktiv war und bin ich in Bewerbungen, die ähnlich der Gutachtertätigkeit Zeit und Energie kosten. Die Herausforderung ist jedesmal, mich bestmöglich überzeugend zu präsentieren, ohne mich verbiegen zu müssen. So versuche ich die Themen für Vorträge meinen aktuellen Forschungsschwerpunkten anzupassen, so dass ich aus der Vorbereitung und dem Vortrag auch etwas ziehen kann für weitere Bearbeitung.

Promotions-Betreuung

Gefreut habe ich mich, dass ich mit zwei externen Promovierenden die ersten Schritte der Betreuung gehen konnte. Es ist spannend zu sehen, wie Ideen sich im Dialog entwickeln und verändern. Für mich wichtig ist es, ansprechbar zu sein, Struktur zu bieten und Raum für Diskussionen zu schaffen. Es ist eine gemeinsame Lern-Erfahrung, eine gemeinsame Entdeckungs-Reise.

HFD Summerschool 2019

Auch dieses Jahr war ich als Mitglied des Kernteams bei der Summerschool des Hochschulforum Digitalisierung dabei. Das Programm war gewohnt interaktiv, partizipativ und selbst-organisiert, wie mein Podcast-Mitstreiter und Summerschool Moderator Christian in seinem Juli-Rückblick treffend zusammengefasst hat.

Ausblick

Das Digital Pedagogy Lab veranstaltet dieses Woche das jährliche intensiv Seminar, bei dem ich das erste Mal dabei bin. Mehr davon in der nächsten Monatsnotiz.

Monatsnotiz Juni

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Mon, 01/07/2019 - 09:16

Der Juni war für mich ein intensiver Reisemonat. Anlass war das letzte Treffen des Ed-ICT-Netzwerks in Milton Keynes, UK. Über drei Jahre arbeitete ein internationales Konsortium aus Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen am Thema Bildungstechnologien für Studierende mit Behinderung (den englischen Ausdruck disabled students finde ich besser geeignet, da weniger auf in der Person liegende Eigenschaften ausgerichtet, dafür auf Bedingungen der äußeren Umwelt und der Gesellschaft, mit denen die Person nicht optimal korrespondiert). Bevor das Symposium losging, war eine touristisch ausgerichtete Anreise über Aachen, Antwerpen, Brüssel und Gent angesagt. Mit der Fähre ging es nach Dover und dort auf die linke Spur Richtung London.

Das Symposium fand etwas außerhalb von Milton Keynes statt, was für jede*n, der/die schon einmal in dieser Stadt war, sehr nachvollziehbar ist. Zwei Tage wurde diskutiert, zusammengefasst und in die Zukunft geblickt. Als gemeinsame soziale Aktivität stand am letzten Tag ein Ausflug ins Computermuseum in Bletchley Park an. Von dort ging es direkt weiter nach Norden mit Zwischenstation in Leeds nach Edinburgh. An der Ostküste (Dundee, Aberdeen) nach Inverness, um am Loch Ness Ausschau zu halten.

Am Loch Ness entlang Richtung Glasgow führte der Weg durch das traumhafte Glen Coe in den Highlands. Schließlich ging es von Glasgow nach Kingston upon Hull zur Fähre Richtung Rotterdam.

Die nächste Woche begann mit einem Besuch beim mmb-Institut in Essen, um mich über die neuesten Entwicklungen von Bildungstechnologien im Kontext von Hochschule und Weiterbildung auszutauschen. Am Mittwoch stand das alljährlich Forum Open Education auf dem Programm, von dessen Teilnahm mich auch nicht (sub-)tropische Temperaturen abhalten konnten.

Hagen-Berlin-Hagen. Bei über 30 Grad. Und das alles macht ⁦@mdeimann⁩ für das #FOE19 pic.twitter.com/qZ7mhUE4Dn

— Christian Friedrich (@friedelitis) June 26, 2019

Ein anderes jährlich stattfindendes Event war das Magdeburger Theorieforum, dieses mal zum Thema Ethik und Verantwortung im Kontext der Digitalisierung. Mir gefällt das Format sehr gut, dass nur wenige Vortrag ausgewählt werden, die dann 45 Minuten Redezeit und ebenso lang Zeit für Diskussionen bekommen. Es antwortet damit auch auf das kulturpessimistische Narrativ, wonach wir durch das Internet, Web 2.0 und YouTube verlernt haben, lange Texte zu lesen oder philosophischen Vorträgen zu lauschen. Ich habe es als inspirierend wahrgenommen, mich in die komplexe Gedankengänge mitnehmen zu lassen und zu verstehen, wie Themen wie der Anthropomorphismus behandelt werden können.

Neben Reisen war ich hauptsächlich als Gutachter tätig, einmal für das Bundesministerium für Bildung und Forschung und einmal für das niederländische Pendant NRO.

Eine unerfreulich Meldung erreichte uns aus dem DAAD, dass der Antrag, den ich an der FernUniversität mit einem internationalen Konsortium einreichte, negativ beschieden wurde. Für uns aber kein Grund zum Trübsal blasen. Wir werden am Thema weiter arbeiten und ich hoffe dazu bald auch was veröffentlichen zu können.

Mit Sebastian Vogt, Professor für Medienproduktion an der Technischen Hochschule Mittelhessen, habe ich ein Konzept für eine gemeinsame Reihe skizziert. Sebastian macht sein Forschungsfreisemester bei mir am Lehrstuhl und wir wollen unsere Arbeit am Format des Bildungsfernsehens, was wir vor vielen Jahren am Beispiel von MOOCs begonnen haben, fortzusetzen.

Schließlich habe ich mit Dennis Clausen unseren Beitrag Digitales Bildungs-Ping-Pong für den GMW-Band „Vom E-Learning zur Digitalisierung“ finalisiert, der nun in den Druck gehen kann. Auch die Arbeit am Buch Corporate MOOCs ist nun endlich in den allerletzten Zügen und die Druckmaschinen können ihren Dienst aufnehmen.

Monatsnotiz Mai

Markusmind personal blog of Markus Diemann - Tue, 04/06/2019 - 15:08

Im Mai ist sollte eigentlich so langsam der Sommer beginnen, zumindest teilweise war das dann auch so.

Auch sonst begann es wonnig mit einer team-internen Weinprobe im Schloss Reinhartshausen im schönen Rheingau, die auf alle Sorten von Weißwein spezialisiert sind. So gestärkt konnte ich mich mit Elan auf alle anstehenden Aufgaben an der FernUniversität stürzen.

Aber auch darüber hinaus stand einiges an. Für das Hochschulforum Digitalisierung habe ich am Netzwerktreffen in Frankfurt teilgenommen und dabei meine ganze Kreativität für die Vorbereitung der im Oktober stattfindenden Jahrestagung einfließen lassen. Bei der Frage nach möglichen Besucher*innen der Tagung und ihren Wünschen und Erwartungen kam das heraus:

Danach ging es nach Magdeburg, wo ich als Dozent für den Weiterbildungs-Master Erwachsenenbildung ein Modul bestreitet. Zwei Tage ging es um Open Education in den verschiedenen Ausprägungen. Wie man das didaktisch aufbereiten kann, habe ich hier aufgeschrieben. Kommentare und Feedback dazu jederzeit gerne.

Der Besuch meines Podcast-Kompagnon Christian in Hagen war die richtige Gelegenheit, ihm endlich mein als Buch veröffentlichte Habilitationsschrift zu überreichen. Auch wenn er nicht ausschließlich wegen mir kam, so hatten wir doch eine schöne und produktive Zeit bei mir am Lehrstuhl (inklusive Podcast-Aufzeichnung für das Feierabendbier Open Education).

Einen kleinen Ausflug in die bildungsphilosophische Community habe ich mit dem Besuch bei den sog. Hamburger Disputen unternommen. Dabei ging es in Vorträgen und Diskussionen um Zukunftsthemen der Bildungsphilosophie, wobei auch Digitalisierung und Big Data zur Sprache kamen. Leider konnte ich nur an einem der drei Tag teilnehmen, so dass mein Fazit unvollständig und gemischt ausfällt.

In Bonn war ich dann für zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung veranstalteten Formaten: Einmal das Vernetzungstreffen für die im Zusammenhang der Förderbekanntmachung Start MTI: Innovative Start-ups für Mensch-Technik-Interaktion unterstützten Projekte. Für die FernUniversität konnte das Vorhaben BoInHo2020: Entwicklung eines Bots auf Basis künstlicher Intelligenz für den Einsatz in der Hochschullehre eingeworben werden. Die zweite Veranstaltung war der alle zwei Jahre stattfindende Zukunftskongress zu Mensch-Maschine-Interaktion. Hier wurde aktiv gegen das Ersetzungs-Narrativ gearbeitet, wonach uns intelligente technische Systeme bald ersetzen werden und wir nicht wissen, was wir mit uns, wenn wir auf uns selbst zurückgeworfen sind, anfangen sollen. Stattdessen spricht man, wie etwas die Bildungsministerin in ihrer eher visionslosen Rede von Assistenz-Systemen.

Eine schöne Feier in meiner Heimat stand dann mit dem „silbernen Abitur“ an. Dazu lud die Schule alle Alt-Schüler*innen ein und bot einen Rundgang durch die runderneuerten Hallen, sogar Tablet-Klassen gibt es nun. Was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich das damals auch gehabt hätte…

Zum Ende des Monats war ich nochmal in Bonn um den DAAD bei einem Seminar zu Digitalisierung und Internationalisierung mit einem Input zu unterstützen.

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